Ratgeber · Metallbau
Bodentiefe Fenster: Absturzsicherung, Glas, Sonnenschutz – was zu beachten ist
Glas bis zum Boden macht aus einem Zimmer einen anderen Raum. Damit das im Alltag funktioniert, müssen ein paar Dinge vorher geklärt sein – allen voran die Absturzsicherung.
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- Ading GmbH, Wien

Bodentiefe Fenster sind der häufigste Wunsch, den wir bei Neubauten und Dachgeschoßausbauten hören – und immer öfter auch bei der Sanierung im Altbau. Der Grund ist einfach: Mehr Glas bringt mehr Licht, der Raum wirkt größer, und die Terrasse oder der Balkon werden Teil des Wohnzimmers.
Was auf dem Plan gut aussieht, hat in der Ausführung aber ein paar Regeln. Ab dem ersten Stock ist eine Absturzsicherung Pflicht, das Glas muss anders beschaffen sein als bei einem Fenster mit Brüstung, große Elemente brauchen einen Rahmen, der sie trägt, und ohne Sonnenschutz wird die große Scheibe im Sommer zum Problem. Wir gehen die Punkte in der Reihenfolge durch, in der sie bei der Planung auftauchen.
Was bodentiefe Fenster bringen
Der offensichtliche Gewinn ist Tageslicht: Eine Scheibe, die bis zum Boden reicht, bringt Licht auch in die Tiefe des Raums, wo ein Fenster mit Parapet nur den vorderen Bereich erreicht. Dazu kommt die Raumwirkung – ohne Brüstung endet der Blick nicht an der Wand, sondern im Garten oder über den Dächern.
Als Terrassen- oder Balkontür verbindet ein bodentiefes Element innen und außen ohne Stufe. Wer eine ganze Wand öffnen möchte, ist bei einer Hebeschiebetür besser aufgehoben als bei mehreren Drehflügeln nebeneinander – sie läuft leicht, braucht keinen Schwenkraum und schließt bei großen Breiten dichter.
- Mehr Tageslicht bis in die Raumtiefe
- Freier Blick nach draußen, der Raum wirkt größer
- Schwellenloser Übergang zu Terrasse und Balkon
- Bei ganzen Wandöffnungen: Hebeschiebetür statt mehrerer Flügel
Absturzsicherung ist Pflicht ab dem ersten Stock
Ein Fenster ohne Brüstung ist baurechtlich eine Öffnung, aus der man fallen kann. Sobald außen kein Balkon oder keine Terrasse anschließt und der Boden innen höher liegt als das Gelände draußen, braucht das Element eine Absturzsicherung. Welche Höhe und welche Öffnungsweiten vorgeschrieben sind, hängt von der Absturzhöhe ab – die Regeln dazu erklären wir auf unserer Seite zur Absturzsicherung.
In der Praxis gibt es drei Wege. Der klassische ist der französische Balkon: ein Stabgeländer außen vor dem Fenster, das am Mauerwerk oder am Rahmen befestigt wird. Wer die Sicht nicht unterbrechen will, nimmt eine Glasbrüstung aus Verbund-Sicherheitsglas, außen vor der Fassade oder innen vor dem Fenster. Der dritte Weg ist die absturzsichernde Verglasung: Das Fensterglas selbst ist so aufgebaut und geprüft, dass es die Funktion des Geländers übernimmt – meist bei Fixverglasungen, bei denen das Fenster ohnehin nicht geöffnet wird.
Welche Variante passt, entscheidet sich an Fassade, Öffnungsart und Budget. Da wir Fenster und Geländer aus einer Hand liefern, stimmen wir beides bei der Planung aufeinander ab – Befestigungspunkte, Farbe und Ansicht.
- Französischer Balkon: Stabgeländer außen vor dem Fenster
- Glasbrüstung: freie Sicht, Verbund-Sicherheitsglas
- Absturzsichernde Verglasung: das Fensterglas selbst übernimmt die Funktion
- Höhe und Öffnungen richten sich nach der Absturzhöhe
Das richtige Glas
Bei einem bodentiefen Fenster steht man direkt vor der Scheibe, Kinder laufen dagegen, ein Sessel rutscht hinein. Deshalb gehört in den unteren Bereich Sicherheitsglas – Einscheiben- oder Verbund-Sicherheitsglas, je nach Lage und Aufgabe. Verbund-Sicherheitsglas hält Bruchstücke an der Folie und bleibt nach einem Bruch vorerst stehen; das ist die Wahl, wenn die Scheibe zugleich absturzsichernd wirken soll.
Große Glasflächen sind auch große Flächen für Wärmeverlust und Wärmeeintrag. Eine Dreifachverglasung mit Wärmeschutzbeschichtung ist heute Standard; auf der Süd- und Westseite kann zusätzlich ein Sonnenschutzglas sinnvoll sein, das einen Teil der Strahlung schon in der Scheibe abhält. Es ersetzt aber keinen außenliegenden Sonnenschutz – dazu gleich mehr.
Rahmenmaterial und Statik großer Elemente
Je größer die Scheibe, desto schwerer der Flügel und desto mehr muss der Rahmen tragen – ohne sich zu verziehen oder über die Jahre durchzuhängen. Aluminiumfenster sind hier im Vorteil: schlanke Ansichten, große Elemente, hohe Steifigkeit. Ein Holz-Alu-Fenster bringt dieselbe Wetterfestigkeit außen und Holz auf der Innenseite; die Statik großer Flügel ist ebenfalls gut.
Kunststofffenster sind bodentief genauso möglich, allerdings begrenzt die Flügelgröße das Material: Ab einer gewissen Breite und Höhe braucht das Profil eine kräftige Stahlverstärkung, und der Rahmen wird breiter. Für Terrassentüren im üblichen Format ist Kunststoff eine wirtschaftliche Lösung; bei raumhohen Verglasungen über mehrere Meter empfehlen wir Aluminium oder eine Hebeschiebetür.
Auch der Beschlag muss zum Gewicht passen. Ein großer Drehkippflügel hängt an wenigen Lagern – die müssen für das Gewicht ausgelegt sein, sonst sackt der Flügel ab und schleift. Was dann zu tun ist, beschreibt unsere Anleitung zum Fenster einstellen.
Sonnenschutz und Hitze bei großen Glasflächen
Was bodentiefe Fenster im Winter an Licht bringen, bringen sie im Sommer an Wärme. Eine raumhohe Südscheibe ohne Beschattung heizt ein Zimmer an einem Julinachmittag auf, und die Wärme kommt durch das Glas nicht mehr hinaus. Warum außenliegender Sonnenschutz hier um ein Vielfaches besser wirkt als jedes Rollo innen, erklären wir im Ratgeber zum Hitzeschutz am Fenster.
Für Wohnräume eignet sich eine Außenjalousie, weil sie Schatten gibt und trotzdem Tageslicht und Ausblick lässt. Für Schlafräume ist ein Rollladen die bessere Wahl: volle Verdunkelung, dazu Dämmung und Einbruchschutz. Wichtig ist, den Sonnenschutz gleich mit dem Fenster zu planen – der Kasten braucht Platz im Sturz oder vor der Fassade, und die Führungsschienen sitzen am Rahmen.
- Sonnenschutz beim Fenster mitplanen, nicht danach
- Wohnraum: Außenjalousie – Schatten mit Tageslicht
- Schlafraum: Rollladen – Verdunkelung, Dämmung, Einbruchschutz
- Kastenposition und Führungsschienen hängen vom Fensterrahmen ab
Nachträglich im Altbau: Parapet, Sturz, Statik
Aus einem bestehenden Fenster wird ein bodentiefes, indem man das Parapet – die Brüstungsmauer unter dem Fenster – abträgt. In vielen Wiener Gründerzeithäusern ist das machbar, weil die Last der Fassade über den Sturz und die Pfeiler daneben abgetragen wird. Ob das im konkreten Fall so ist, muss aber ein Statiker beurteilen, und der Sturz wird dabei mitgeprüft.
Dazu kommen Heizkörper, die meist unter dem Fenster sitzen und versetzt werden müssen, Leitungen in der Brüstung und der Fußbodenaufbau am Übergang nach außen. Im Mehrparteienhaus verändert die Öffnung die Fassade und ist damit Sache der anderen Eigentümer bzw. des Vermieters; je nach Lage kann auch eine Bewilligung nötig sein. Der Einbau selbst folgt dann den gleichen Regeln wie jede Fenstermontage – mit besonderer Sorgfalt am unteren Anschluss, wo Schlagregen und Schwelle zusammenkommen.
Was den Preis treibt, ist selten das Fenster selbst, sondern das Drumherum: Statik, Abbruch, Heizung, Absturzsicherung und die Fassadenarbeiten. Deshalb lohnt sich ein Ortstermin, bevor man rechnet.
- Statiker klärt, ob das Parapet abgetragen werden darf
- Heizkörper und Leitungen unter dem Fenster versetzen
- Zustimmung im Mehrparteienhaus, ggf. Bewilligung
- Absturzsicherung gleich mitplanen
Sichtschutz und Einblick
Glas bis zum Boden funktioniert in beide Richtungen: Im Erdgeschoß und zur Straße hin sieht man von außen genauso gut hinein wie von innen hinaus – vor allem abends bei Licht. Im Schlafzimmer ist das ein echter Nachteil, wenn man ihn nicht einplant. Ein Plissee lässt sich von unten nach oben ziehen und deckt genau den Bereich ab, in dem man Sichtschutz braucht, ohne das Licht oben auszusperren. Satiniertes Glas im unteren Bereich ist die dauerhafte Variante.
Im Erdgeschoß kommt der Einbruchschutz dazu: Eine große, leicht erreichbare Scheibe ist für Einbrecher ein anderes Ziel als ein Fenster im zweiten Stock. Welche Beschläge, Verglasungen und Rollläden dort sinnvoll sind, fassen wir im Ratgeber zum Einbruchschutz für Fenster und Türen zusammen.
Häufige Fragen
- Ja, sobald außen kein Balkon oder keine Terrasse anschließt und der Boden innen höher liegt als das Gelände draußen – also praktisch ab dem ersten Stock. Möglich sind ein französischer Balkon, eine Glasbrüstung oder eine absturzsichernde Verglasung. Was vorgeschrieben ist, steht auf unserer Seite zur Absturzsicherung.
Bodentiefe Fenster geplant?
Wir kommen zum Ortstermin, klären Absturzsicherung, Glas und Sonnenschutz in einem und stellen ein Angebot zusammen, das alle Positionen enthält.
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